Papiergeld.info

von Kai Lindman

lagergeld1 lagergeld2


Vor einigen Wochen konnte ich im Internet einen stärker gebrauchten, bisher unbekannten Kleingeldschein erwerben. Der Schein wurde im Südlager Vilseck, einem Teil des bayerischen Truppenübungsplatzes Grafenwöhr verwendet, allerdings ist es mir bisher nicht gelungen festzustellen, wann das war. Das Südlager wurde ab 1937 errichtet und erhielt seinen Namen, um es vom Nord- und vom Westlager zu unterscheiden, beides ebenfalls Teile des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr. Im Mai 1945 übergab der damalige Kommandant das Lager an anrückende amerikanische Truppen.

Ab 1946 wurde das Gebiet als Sammelstelle für verschleppte polnische und ukrainische Fremdarbeiter verwendet (Heimkehrerlager). Im Frühjahr 1947 übernahm die IRO (Internationale Flüchtlingshilfsorganisation) das Lager, bis es Anfang 1948 als Ausbildungszentrum für Panzereinheiten der US-Streitkräfte verwendet wurde. Das Lager wird auch heute noch von den Vereinigten Staaten genutzt.

Da die Währungsbezeichnung auf dem Schein RM (Reichsmark) lautet, kann er nur zwischen 1937, dem Baubeginn des Südlagers, und der Währungsreform 1949 ausgegeben worden sein. Allerdings gibt es keine weiteren Hinweise für die Verwendungszeit auf dem Schein. Die Abbildung der Kirche mit Bäumen und Bergen (?) im Hintergrund könnte ein Indiz sein, aber ich habe keine Abbildung gefunden, die eine Kirche in der dargestellten Form zeigt. Der zu einer Kapelle umgebaute Lagerschuppen sieht völlig anders aus.
Einen Hinweis auf das Ausgabejahr gibt vielleicht die Unterschrift des Lagerleiters, aber ich kann sie nicht entziffern. Könnte das „Singer“ heißen?

Ungewöhnlich ist die Dienstbezeichnung. Sie lässt eher vermuten, dass es sich um eine nichtmilitärische Einrichtung handelt, sonst hieße es sicherlich „Lagerkommandant“.

Der Schein ist mit gewisser Sorgfalt hergestellt worden und die handschriftliche mit einem roten Kopierstift geschriebene Kontrollnummer in der rechten oberen Ecke (577) lässt vermuten, dass eine größere Anzahl von den Scheinen hergestellt wurde. Auch die deutlichen Gebrauchsspuren lassen darauf schließen, dass die Scheine rege verwendet wurden. Neben der Bezeichnung „Lagerleiter“ ist auch die Verwendung des – vermutlich von einem Lagerinsassen angefertigten – Linol- oder Holzschnittes für die Rückseite ein Indiz dafür, dass der Schein in den Nachkriegsjahren, aber vor 1948 verwendet wurde.

lagergeld3


Es gibt nämlich aus dieser Zeit eine ganze Reihe von Scheinen aus Heimkehrer- und IRO-Lagern.