Papiergeld.info

von Kai Lindman

 

Biging HalleWieder einmal möchte ich Ihnen, geneigte Leser, eine „olle Kamelle“ ans Herz legen, die es mehr als wert ist, aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt zu werden, da sie auch heute noch ein kaum erreichtes Vorbild für ähnliche Arbeiten sein kann.

Vor vielen Jahren ist es erschienen, doch trotz der inzwischen vergangenen Zeit ist es immer noch eines der bemerkenswertesten Bücher zum Thema Notgeld: Kurt Bigings „Geldscheine in Halle an der Saale“!

So muss ein Buch sein, wenn es dem heimat- und wirtschaftsgeschichtlich Interessierten spannend, ausführlich und informativ längst Vergangenes und Vergessenes nahebringen soll. Dieses Buch ist ein Lesespaß und Augenschmaus, wie er in dieser Form noch nicht zu haben war und setzte damit für eine ganze Gattung neue Maßstäbe, die zu übertreffen bisher kaum gelungen ist.

Neben der opulenten Aufmachung – ermöglicht durch großzügige Zuschüsse vom Land Sachsen-Anhalt und der Stiftung der Stadt- und Saalkreissparkasse Halle – besticht das Buch durch die Vielzahl der Details und weist den Autor als absoluten Fachmann auf seinem Gebiet aus. Bemerkenswert ist die Fülle der neuen Ausgaben und Scheine, die Biging in der ganzen Republik ausfindig gemacht hat. Erfreulich ist, dass sich Biging durchaus kritisch mit dem Erbe des Übervaters aller Geldscheinsammler – Dr. Arnold Keller – auseinandersetzt und nicht nur ehrfürchtig alle Katalogdaten Kellers übernimmt, sondern dass er die Angaben auf ihren Wahrheitsgehalt abklopft, nachweisbare Fehler berichtigt und nie vorgekommene und auch sonst nicht belegbare Scheine nicht aufnimmt.

Natürlich muss man nicht mit allem einverstanden sein. Dem Einen ist das Zitieren aus den Akten ein wenig zu umfangreich geraten, der Andere hätte sich noch mehr Informationen zum Hintergrund der einzelnen Ausgaben gewünscht. Die Preisnotierungen am Ende des Katalogs waren beim Erscheinen des Buches wohl ein wenig zu vorsichtig, passen heute aber gut. Natürlich wäre es schön gewesen, hätten die bekannten Belege aus der Strafvollzugseinrichtung Halle auch noch Aufnahme im Buch gefunden.

Doch glücklicherweise gibt es auf dieser Welt kaum etwas Vollkommenes und so bleibt trotz des einen oder anderen Fehlers nur ein Fazit: Auch dieses Werk ist nicht das perfekte Notgeldbuch, aber es ist näher an der Vollkommenheit als fast jedes andere, das bisher erschienen ist. Ich kann es auch heute noch allen Sammlern und Heimatinteressierten nur uneingeschränkt empfehlen!

 

Kurt Biging, Geldscheine in Halle an der Saale 1916–1992, Geldgeschichte – Wirtschaftsgeschichte – Heimatgeschichte – Katalog, 268 Seiten DIN A4, zahlreiche, meist farbige Abbildungen, Halle 2003, ISBN 3-89812-2212-3, 48 Euro