Papiergeld.info

von Kai Lindman

 

bühn papiergeld sachsenMein Briefträger ächzte unter der Last des Paketes, das er kaum umfassen konnte und das mit rund zwölf Kilo zu den größeren Poststücken seiner Runde gehörte. Ein Blick auf den Absender ließ mein Herz höher schlagen: Mathias Bühn! Da war es nun endlich, das lang erwartete Jahrhundertwerk.

Das Auspacken konnte mir nicht schnell genug gehen und die endlosen Meter Klebeband, die den Karton von allen Seiten sicherten, klebten mir viel zu oft an den Fingern. Nach mir endlos erscheinenden 20 Minuten war der Auspackungsmarathon geschafft und die vier blauen Bände – immer noch mehr als zehn Kilo! – lagen vor mir. Es war kurz nach 14 Uhr und was ich während der folgenden Stunden bis spät in die Nacht gemacht habe, können Sie sich alle ohne Mühe vorstellen. Dabei sammele ich Notgeld aus Sachsen gar nicht. Wie muss es also einem begeisterten Sachsen-Sammler bei seiner ersten Begegnung mit den 2256 Seiten gehen?

Natürlich habe ich in meinen diversen Sammlungen auch sächsische Scheine, und deren Katalogisierung und Bewertung interessierten mich als Erstes. Während ich so suchend durch die Seiten blätterte, blieben meine Augen immer wieder an einzelnen Bildern oder Texten hängen und es dauerte nicht lange, da stand mein Urteil über das Werk fest: Hervorragend! Ich mochte mir gar nicht ausmalen, wie viele Tage Arbeit über einen endlose Jahre andauernden Zeitraum in das Erstellen dieses „Monster“-Kataloges geflossen sein mögen. Einen Euro für jede Stunde und ein geruhsamer Aufenthalt in der Gartenschaukel wäre für lange Zeit gesichert.

Auch wenn ich begeistert bin, bin ich längst nicht mit allem zufrieden. Der größte Störfaktor ist die von Keller übernommene Anordnung der Ausgaben. Macht es bei kleinen Orten nicht allzuviel, dass nicht alle Ausgaben alphabetisch angeordnet sind, sondern erst die Verwaltungen, danach die Banken mit allen Kundenschecks und erst dann alle anderen Ausgabestellen folgen, so ist das bei größeren Orten nervig und bei Chemnitz einfach schrecklich. Das ist vor allem bei den Schecks äußerst umständlich und irritierend. Da interessiert nämlich der Standort der Firma überhaupt nicht, sondern es zählt nur der Ort, an dem sich die ausgebende Bank(filiale) befindet. Um aber die Katalogisierung tatsächlich zu finden, muss man zuerst einmal feststellen, um was für eine Art von Scheck es sich überhaupt handelt. Dazu muss man wissen, wie sich Eigenschecks von Banken, Kundenschecks und Firmenschecks überhaupt voneinander unterscheiden, und das ist – vor allem für ungeübte Sammler – nicht immer ganz einfach.

Natürlich weiß ich, dass ein Katalog an dem Tag nicht mehr stimmt, an dem er in die Hände der Sammler gelangt. Aber das ist ja auch eine der Hoffnungen des Autors, die sein Werk begleiten. Er möchte so viele Informationen wie möglich bekommen, um einen Grund für eine neue Auflage zu haben. Genau das wird auch mit diesem Buch geschehen. Selbst ich als Nicht-Sachsen-Sammler habe auf Anhieb einige Scheine in meinem Bestand gefunden, die nicht verzeichnet sind, und da kann es auch schon mal passieren, dass man versehentlich eine Ausgabe zweimal an verschiedenen Stellen aufführt (1209 gibt es so nicht, richtig ist 1186.).

Das alles lässt sich aber ertragen, denn endlich gibt es einen vernünftigen Sachsen-Katalog, und der Preis ist auch angemessen. Wenn man vier oder fünf seltene Scheine in der Dublettenkiste findet, hat er sich schon bezahlt gemacht.

 

Mathias Bühn, Das Papiergeld von Sachsen 1772–1949, vier Bände, 2256 Seiten DIN A4, Hardcover, 320 Euro + 20 Euro Versand