Papiergeld.info

von Kai Lindman

Labry

Anfang der 1990er Jahre gründete Sergej Mawrodi in Russland die MMM-Bank und benutzte sie zur Errichtung des größten Schneeballsystems der letzten 30 Jahre weltweit. Tausende von Russen fielen auf seine Versprechen herein und für ein halbes Jahrzehnt waren die von seiner Bank ausgegebenen „Wertpapiere“ der absolute Hit am russischen Finanzmarkt. Es ist heute kaum noch vorstellbar, dass sein System überhaupt funktioniert hat, aber die Vorstellung, dass man auch ohne zu arbeiten reich werden kann, war zu verlockend, und so strömten bis zuletzt Menschen in die Filialen seiner Bank, um sich eines oder mehrere der bunten Papiere zu sichern, die unermesslichen Reichtum versprachen. Mit seinen „Wertpapieren“ erleichterte er Menschen aus allen sozialen Schichten vermutlich um etwas mehr als 3 Milliarden Euro. Das heißt, dass jeder seiner Kunden durchschnittlich mehr als 300 Euro verloren hat.

Als 1994 der Schwindel aufflog und Mawrodi ins Gefängnis kam, blieben Tausende von getäuschten Anlegern völlig mittellos zurück. Viele dieser Menschen, vor allem Rentner, sahen keinen Ausweg mehr und begingen Selbstmord. Unendlich viele der „Aktien der MMM-Bank“, überschwemmten kurze Zeit später überall auf der Welt die Märkte der Papiergeldsammler. Auch in Deutschland wurden diese Papiere angeboten und eine große Schar von Sammlern deckte sich mit den bunten Scheinen ein, die aussahen wie Banknoten. Einer der Interessenten war ein junger Sammler, der im Januar 2005 im Banknotenforum nach mehr Informationen zu diesem bunten Altpapier fragte. Offensichtlich bekam er genügend Informationen und reichlich Exemplare der Aktien der MMM-Bank, denn schon drei Jahre später veröffentlichte der junge Mann – Yann Labry – ein Handbuch mit angehängtem Katalog über die Geschichte von Sergej Mawrodi, seiner MMM-Bank und den vielen verschiedenen „Wertpapieren“, mit denen er das erfolgreichste Schneeballsystem in der russischen Wirtschaftsgeschichte inszenierte.

Das dünne, aber spannend zu lesende Handbuch fand bei seinem Erscheinen viele interessierte Käufer und für einige Zeit war die Diskussion auf den Seiten des Banknotenforums ausgesprochen rege. Doch nach ein paar Jahren ließ das Interesse nach und die bis heute letzte Erwähnung des Themas im Forum war im Mai 2014. Zwar gibt es im Internet immer noch ein reichliches Angebot an Scheinen der MMM-Bank, das wohl vor allem aus amerikanischen Quellen gespeist wird, aber ich glaube kaum, dass die gelegentlichen Käufer den Katalog von Yann kennen oder gar besitzen. Hier in Deutschland ist das Interesse anscheinend erloschen, denn wie viel Spaß macht es, ein Gebiet zu sammeln, bei dem es keine Neuigkeiten mehr gibt?

Wenn das Gebiet Sie trotzdem reizt: Besorgen Sie sich den Katalog (10 Euro beim Autor, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!), fahnden Sie im Internet nach den Scheinen und freuen Sie sich über ein paar Scheine, die nicht im Katalog stehen. Es soll einige geben.

Viel Erfolg und Spaß!