Papiergeld.info

von Kai Lindman

 

StaudtWir leben in goldenen Zeiten! Schade! Jetzt, wo das Interesse an Notgeld spürbar zurückgegangen ist, wo sich jüngere Menschen nur in Ausnahmefällen für Sammeln überhaupt noch interessieren, werden einige Altsammler wach und produzieren wunderschöne Regionalkataloge, in die sie ihr gesammeltes Wissen aus jahrzehntelanger Sammel- und oft auch Forschungstätigkeit hineingießen.

 

Was hätten wir uns in den ersten Jahren unserer Sammeltätigkeit die Finger nach solchen Katalogen geleckt, als es fast nur kaum lesbare, unbebilderte, maschinegeschriebene Keller-Kataloge gab. Wenn da tatsächlich mal ein neuer Katalog erschien, war das eine Sensation und viele Sammler bemühten sich um ein Exemplar für ihre Bibliothek. Heute kann man froh sein, wenn man 50 Stück verkauft und seine Produktionskosten halbwegs wieder einspielt.

 

Für diese Ausgabe der papiergeld habe ich nun gleich zwei solcher Kataloge bekommen, die so perfekt gemacht worden sind, dass man nur noch entzückt blättern kann und vor lauter Begeisterung den Mund kaum wieder zubekommt. Da ist es ja fast schon eine Erholung, dass man bei Ringo Staudts Katalog schon beim Anblick der Titelseite die bissige Frage stellen kann: „Wer soll denn den ganzen Text auf der Titelseite lesen? Hat er auch noch etwas für innen übrig gelassen?“

 

Nun, er hat! Und zwar so viel, dass man aus dem Staunen kaum noch herauskommt! So viele Informationen zu einzelnen Marken, Scheinen und ganzen Ausgaben habe ich noch nie gelesen, vor allem nicht in dieser Form. Ringo Staudt hat nämlich auf fast jeder Seite große Mengen von Informationen in kleiner Schrift als Anmerkungen untergebracht. Hätte er sie - gepflegt formuliert - im Normaltext eingepflegt, wären aus den jetzigen 200 DIN-A4-Seiten etliche mehr geworden. Wie auch Ulf Lehmann hat Staudt fast alle Marken und Scheine in Farbe und Originalgröße abgebildet, getreu dem alten Katalogmacher-Grundsatz: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!“

 

Auch für diese Handbuch gilt: Die Menge der zusammengetragenen Informationen ist überwältigend und allein die bisher unbekannten Stücke und Varianten machen schon die Anschaffung für ernsthafte Regionalsammler und interessierte Heimatforscher unumgänglich. Das Einzige, womit ich nicht völlig einverstanden bin, ist die Bewertung der Objekte. Es wird sicher nicht jedes Stück in allen ausgepreisten Erhaltungsgraden geben und die Preissteigerung von der schlechtesten zur besten Erhaltung verläuft selten linear, sondern meistens exponentiell.

Aber alles in allem: Sehr empfehlenswert!

 

Ringo Staudt - Aus vergangenen Zeiten …, Papiergeld, Notgeld, Notmünzen, betriebliches Verrechnungsgeld und Wertmarken 1850 - 1990, Katalog für das Gebiet der heutigen Landkreise Kyffhäuserkreis und Sömmerda, Ein numismatischer Baustein zur Geldgeschichte Thüringens, 1. Auflage, Schlettau 2018, 200 Seiten DIN-A4, zahllose farbige Abbildungen, 25 Euro, zu beziehen beim Autor unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!