Papiergeld.info

von Kai Lindman

 

richter österreichNach dem Erscheinen meines Kataloges zum deutschen Bettlergeld rief mich Rudolf Richter an, gratulierte mir zu der Arbeit und erzählte mir, dass er durch mein Werk in seinem Beschluss bestärkt worden sei, den lange geplanten Katalog zum österreichischen Bettlergeld trotz aller Probleme zu erstellen. Auf meine Frage, was denn seine Probleme seien, erzählte er mir, dass trotz intensiver Suche kaum Belege und Unterlagen aufzutreiben wären. Auch ich konnte ihm da nicht weiterhelfen, denn in meinen Beständen befand sich neben einigen Scheinen aus benachbarten europäischen Ländern gerade mal ein Exemplar österreichischen Bettlergeldes.

 

Als ich nun den neuen Katalog von Rudolf Richter auf dem Tisch liegen hatte, war ich doch sehr erstaunt über die erkleckliche Anzahl von Scheinen, die er zusammengetragen hat. Zwar kann man die rund 250 Scheine nicht mit dem deutschen und dem tschechischen Bettlergeld vergleichen, von dem für beide Länder jeweils weit mehr als 1000 Scheine bekannt sind, aber sonst gibt es wohl keinen anderen Staat mit ähnlich vielen Belegen. Was mir an dem neuen Katalog besonders gut gefällt, sind die Informationen zur Entwicklung der Armenhilfe in Österreich. Hier hat Richter gründliche Arbeit geleistet und Fakten zusammengetragen, die auch für das Bettlergeld und das Wohlfahrtswesen anderer europäischer Länder in ähnlicher Form gelten. Die Schwierigkeiten der Abgrenzung bestehen genau so für das deutsche Unterstützungswesen für Bedürftige, man denke nur an die vielen Ausgaben der Sozialämter und privater Organisationen während des Ersten Weltkrieges und der Folgejahre und die große Zahl der Vorläuferausgaben zum Winterhilfswerk der Nationalsozialisten in den dreißiger und den frühen vierziger Jahren.

 

Richter hat hier ein rundum gelungenes Werk vorgelegt, das jeden einzelnen Euro seines Verkaufspreises von 19 Euro wert ist. Hoffentlich findet Richters Bitte Gehör, dass Sammler in ihren Beständen forschen mögen, ob sie hier nicht erfasste Ausgaben besitzen, und wenn, dass sie sie auch dem Autor melden. Interessenten für das uneingeschränkt empfehlenswerte Werk mögen sich mit der Anschaffung beeilen, denn die verfügbare Menge ist begrenzt. Allen Lesern, die bisher vergeblich auf eine bissige Kritik zu diesem Buch gewartet haben, hier eine kleine Entschädigung: Die Segnungen der neuen deutschen Rechtschreibung scheinen offensichtlich noch nicht bis in alle Ecken Österreichs vorgedrungen zu sein. In Deutschland schreibt man „professionell“ jedenfalls mit „f“ (Seite 9, erster Abschnitt unter „Bettlergeld“, Mitte vierte Zeile).

 

 

Rudolf Richter, Österreich, Wohlfahrtsscheine - Bettlergeld, ca. 1928 -1938 und Vorläufer, DIN A4, 66 Seiten, viele farbige Abbildungen, Salzburg 2018, 19 Euro + Versand, Bestellung über: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!