Papiergeld.info

von Kai Lindman

 

Bei geschätzen 3000 bis 5000 Lotterien in der Zeit von 1871 bis 1939 und über 2000 im Katalog erfassten Losen ist die Ausbeute von drei Stücken mit Bezug auf jüdische Einrichtungen mehr als ungewöhnlich. Dabei gab es Wohltätigkeits- und Veranstaltungs-Lotterien zugunsten der seltsamsten Zwecke und Einrichtungen. Selbst die Militärbrieftauben, der Verein ehemaliger Handelsschüler in Pirna und das Otterndorfer Schützenfest haben eine Lotterie abbekommen. Sehr auffällig ist auch die Zeit der Veranstaltungen. Nach 1901 hat nichts mehr stattgefunden, obwohl viele jüdische Mitbürger im Ersten Weltkrieg für ihr deutsches Vaterland an vorderster Front gekämpft haben. Offensichtlich war der im Volk verwurzelte Antisemitismus im Deutschen Reich schon in den ersten Jahrzehnten nach der Gründung stark ausgeprägt. Vermutlich hat es noch mehr Lotterien zugunsten der jüdischen Mitbürger gegeben, mir sind bisher allerdings keine anderen bekannt geworden.

 

Literatur:

Kai Lindman - Lose von Ausstellungs-, Bau- und Wohlfahrts-Lotterien im Deutschen Reich 1871 - 1945, Gifhorn 2018

Kai Lindman - Lotterien in den Altdeutschen Staaten 1600 - 1870, Gifhorn 2013

 

Allenstein Frauen Ver.

A004 Allenstein (Opr/POL) Israelitischer Frauen-Verein Allenstein

Febr. 1901

Verloosung zu wohlthätigem Zwecke

ohne Angabe 75 50

Landau Synagoge

L003 Landau (Pfa/R-P) Synagogenausschuss der israelitischen Cultusgemeinde

4.4.1889

Landauer Geldlotterie 2 Mk 120 80

 

Neubrandenburg Synagoge

N003 Neubrandenburg (M-S/M-V) Comité

Ostern 1875

Synagogenbau-Lotterie in Neubrandenburg

3 Mk 150 100