Papiergeld.info

von Jörg Zborowska

Die deutsche Neuguinea-Kompagnie übernahm 1884 die Verwaltung über den Nordosten der Insel, das sogenannte Kaiser-Wilhelms-Land, und eine Inselgruppe nordöstlich davon, das Bismarck-Archipel. 1899 wurden die Inseln Schutzgebiet des Deutschen Reiches. Neuguinea war unter den deutschen Kolonien sicher das am wenigsten erforschte Gebiet. Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 lebten hier lediglich 900 weiße Einwohner, davon 700 Deutsche. Wie auch in den meisten anderen deutschen Schutzgebieten galt in Deutsch-Neuguinea die Reichsmark als gültiges Zahlungsmittel. Parallel hierzu lief bei den Eingeborenen noch das traditionelle Kauri-Muschelgeld um.

 

Am 6.8.1914 wurde für das Schutzgebiet der Kriegszustand erklärt. Die Großfunkstelle Bitapaka sollte als Nachrichtenzentrale für das ostasiatische Kreuzergeschwader des Grafen Spee bis auf das Äußerste verteidigt werden. Hierzu wurde eine freiwillige Wehrabteilung von etwa 50 Deutschen, 16 Polizeiunteroffizieren und zwei Polizeioffizieren aufgestellt. Dazu kam eine kleine Truppe eingeborener Polizisten, insgesamt etwa 300 Mann. Diesen stand ein australisch-britisches Expeditionskorps von über 6.000 Mann gegenüber. Am 11. August 1914 landete eine australische Vorhut, begleitet vom Kreuzer Sydney, bei Rabaul und Herbertshöhe und zerstörte die Kommunikationseinrichtungen sowie das Postamt. Die Truppen zogen daraufhin wieder ab, besetzten aber am 11. und 12. September die Orte endgültig. Nach sechstägigem Kampf musste die kleine Schutztruppe schließlich am 17. September kapitulieren. An einigen anderen Orten fanden noch bis Ende September Kampfhandlungen statt. Die letzten von den Alliierten besetzten Orte waren Kaewieng am 17.10.1914 und Morobe am 18.2.1915. Bei den Kampfhandlungen fanden vierzehn australische Soldaten und ein deutscher sowie 30 der einheimischen Polizisten den Tod.

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gefälschter 20-Mark-Schein, auf Tapete gedruckt

 

Im Landesinnern kämpfte der Polizeihauptmann Hermann Detzner mit seiner Eingeborenentruppe noch bis zum Ende des Weltkrieges gegen die Australier. Als am 28. September auch die Funkstation Bitapaka kapitulieren musste, stand noch die Löhnung für die Freiwilligentruppe aus. Jedem Deutschen standen 20 Mark pro Tag zu. Da aber kein Geld mehr da war - die deutschen Truppen hatten nämlich den ihnen verbliebenen Bargeldbestand vergraben und dann behauptet, die Gouvernementskasse sei leer gewesen - wandte man sich an die australischen Besatzer. Diese verpflichteten sich, die ausstehende Restlöhnung zu zahlen und den Betrag vom Reich einzufordern. Da jedoch großer Mangel an Geld herrschte, begannen die Australier, alles irgendwie geeignete Papier zu 20-Mark-Scheinen zu verarbeiten; auch Packpapier und die leeren Seiten von Bier- und Weinflaschenetiketten wurden verwendet. Als Ersatz für die nicht vorhandene Druckerschwärze benutzte man Schuhcreme.

 

Ein solcher Schein wurde 1935 im Rathaus von Sydney gefunden. Eine Abbildung ist mir nicht bekannt. Nach wenigen Tagen wurden die provisorischen Scheine von den Australiern eingelöst und gegen ein weiteres Provisorium, jetzt aber in deutlich besserer Qualität, ausgetauscht. Von diesen Scheinen sind einige wenige erhalten geblieben.