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von Curt Banspach

 

Seit gut 15 Jahren ist der Euro in der Europäischen Union im Umlauf; wir haben uns mittlerweile alle an diese Währung gewöhnt. Es ist um einiges einfacher in der Eurozone zu reisen, wenn man nicht jedes Mal die Landeswährung im Geldbeutel mit sich tragen muss. Das Umrechnen von Preisen gibt es nicht mehr. Der Weg dahin war nicht immer leicht und hat Jahrzehnte gedauert. Schon 1969 beschlossen die europäischen Staats- und Regierungschefs in Den Haag, dass aus der Europäischen Gemeinschaft auch eine europäische Wirtschafts- und Währungsunion werden sollte.

 

Es dauerte dann aber bis 1992, bis im Vertrag von Maastricht endgültig die vollständige Währungsintegration beschlossen und besiegelt wurde. Es sollte keine französischen Francs, Deutsche Mark oder italienischen Lire mehr geben. Ein einheitlicher Name musste her, der €uro wurde geboren. Aber hieß der Euro immer so?

 

Nein, der Vorgänger des Euro war der ECU, angelehnt an die alte französische Münzeinheit Ecu. Als European Currency Unit, also Europäische Währungseinheit, wurde dieser lange vor dem heutigen Euro eingeführt. Von 1979 bis 1998 galt der ECU als Verrechnungseinheit zwischen den europäischen Staaten, das heißt, es gab außer symbolischen Sonderausgaben mit stark eingeschränkter, meist nur regionaler Gültigkeit weder Banknoten noch Münzen mit dieser Währungseinheit. Einige Staaten wollten allerdings ihre Bürger rechtzeitig auf eine neue gemeinschaftliche Währung und das Verschwinden der nationalen Banknoten und Münzen vorbereiten. So brachten unter anderen Großbritannien, Italien und Frankreich Banknoten mit der ECU-Währung heraus.

 

In Frankreich zum Beispiel gab es ab 1994 den ECU als regionale Banknote und er konnte auch nur regional ausgegeben wer-den. Die beiden hier vorgestellten ECU-Banknoten sind wegen ihres bunten Designs und ihrer nationalen Betonung typisch für französische Banknoten.

 

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Abbildungen 1 und 2 1 ECU 1994, Vorder- und Rückseite, aus Trans-en-Provence, Frankreich

 

Der Schein zu 1 ECU von 1994 zum 50. Jahrestag der Befreiung der Provence aus dem Ort Trans-en-Provence gleicht schon stark einer Banknote. Er war vom 18. Juli bis zum 16. August 1994 gültig, hat eine KN, ist auf Wasserzeichenpapier gedruckt und unterschrieben vom Bürgermeister und dem Direktor der französischen Post, die für diese Ausgabe mitverantwortlich war. Der Text auf der Rückseite besagt, dass diese Banknote eine Art Einkaufsbon darstellt, der nur in der Stadt Trans-en-Provence gültig war. Nach Ablauf der Gültigkeit konnte er nur noch fünf Tage lang auf einer Poststelle wieder eingelöst werden. Weiter steht dort, dass das Ziel dieser Aktion die Förderung der Idee einer ECU-Währung in Frankreich und Europa ist. Alle Gewinne aus dieser Aktion wurden an gemeinnützige Einrichtungen gespendet.

 

Ein Schein zu 2 ECU von 1995 ist auf dünnem, typisch französischem Banknotenpapier gedruckt. Ausgegeben worden war er von der Bank „Credit Agricole“ und der Stadt Bergerac. Hier steht auch der Umtauschkurs zum französischen Franc auf der Rücksei-te. Der Schein hat ebenfalls eine KN, doch das Wasserzeichen ist nur aufgedruckt. Die Vorderseite des Scheines wird beherrscht von einem Bild des berühmten Cyrano de Bergerac. Der Text auf der Rückseite erklärt ebenfalls, dass es sich um die Förderung der Idee einer gemeinschaftlichen europäi-schen Währung handelt. Es gibt sicherlich noch weitere Varianten dieser ECU-Banknoten. Ob in Deutschland eine Region oder eine Stadt jemals so eine ECU-Banknote ausgegeben hat, konnte ich nicht feststellen.

 

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Abbildungen 3 und 4 2 ECU (14 Francs) 1995, Vorder- und Rückseite, aus Bergerac, Frankreich

 

Solche bunten französischen ECU-Banknoten konnten sich leider nicht als Vorbilder für eine europäische Währung durchsetzen. Man entschied sich schließlich für die schlichten, farbloseren Euro-Banknoten, musste man doch dem Geschmack und den nationalen Gepflogenheiten von zwölf Ländern gerecht werden.

 

Ich würde mich freuen, wenn Leser mich auf andere ECU-Banknoten hinwiesen.

 

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Abbildungen 5 und 6 10 ECU 1992, Testnote, Vorder- und Rückseite, von Gieseke & Devrient GmbH, München