Papiergeld.info

von Kai Lindman

 

Fünf Maß 1Obwohl das Deutsche Reich mit der Verleihung der Kaiserwürde an Wilhelm I. in Versailles am 18. Januar 1871 offiziell gegründet wurde, dauerte es noch bis 1874, bis neue, auf Mark lautende Geldscheine ausgegeben wurden. Bis dahin musste man sich mit den auf Taler und Gulden lautenden Banknoten behelfen. (Nur in Schleswig-Holstein gab es schon Mark-Scheine, die allerdings einen anderen Umtauschkurs hatten.)

Fünf Maß 2

Als erster Schein der Reichsschuldenverwaltung erschien mit dem Datum 11.7.1874 ein 5-Mark-Schein, dem allerdings keine lange Umlaufdauer beschieden war, denn schon im Januar 1882 gab die Reichsschuldenverwaltung einen neuen 5-Mark-Schein in völlig anderem Design aus. Umso erstaunlicher ist es, dass der erste Schein als Vorlage für einen Scherz- und Glückwunsch-Schein zum Neuen Jahr verwendet wurde. Gedruckt und vermutlich auch gezeichnet wurde der Schein bei dem großen Berliner Verlag Adolf Sala, der vor allem für seine Spiele und Lernmittel bekannt war.

Da verwundert es schon, dass der Verlag mit dem Scherzschein so unverhohlen die Vorzüge von Wein und Bier preist und zum Alkoholgenuss auffordert. Der Text am unteren Rand der Vorderseite lautet nämlich:

„Trink Dich in durst´ger Mitt´

der Sorgen quitt.“

Das beste Mittel, um dieser Aufforderung nachzukommen, ist nach Meinung der Hersteller dieses Scheines das Trinken von „5 Mass“. Sollte es sich dabei um bayerische Mass handeln - und die Bierkrüge, die der junge Ober eilends herbeibringt, sehen so aus! -, so empfiehlt der Geber dieses Scheines immerhin die gewaltige Menge von fünf Litern Bier oder Wein. Da ist es kein Wunder, dass im linken Randbild nur leere Becher, Krüge und Flaschen zu sehen sind.

Franz Rudolph, der diesen Schein irgendwann unterschrieben und verschenkt hat, wünscht dem Empfänger neben „Glück, Gold und Gesundheit“ vor allem „stets kerngesunde Sinne“. Wie der Empfänger des Scheines diese nach fünf Mass noch haben soll, ist mir allerdings ein Rätsel.