Papiergeld.info

von Kai Lindman


In den Jahren von 1975 bis Anfang 1978 litten die Italiener unter einem erheblichen Kleingeldmangel, da die staatliche Prägeanstalt technisch total veraltet war und die benötigten Münzenmengen nicht produzieren konnte.

 

Daher versuchten zuerst italienische Banken durch die Ausgabe von Mini-Assegni (Kleinschecks) die Kleingeldnot zu lindern. Später kamen unter anderem noch Telefonmarken, Plastikmünzen, Briefmarkengelder von unterschiedlichsten Ausgabestellen und - sehr zur Freude der Kinder - häufig Süßigkeiten hinzu. Erst ab 1978 beendeten neue, umfangreiche Münzprägungen die Misere, woraufhin die Behelfszahlungsmittel aus dem Verkehr verschwanden. Eine dieser Ausgaben waren die Scheine zu 50, 100 und 150 Lire, die an Bord der Fähre „M/T Espresso Livorno“ halfen, der Kleingeldnot Herr zu werden.

 

Espresso 1 Espresso 2

Espresso 3

Die primitiven, handgezeichneten Scheine waren ausschließlich auf der Fähre gültig, die von Heraklion auf Kreta nach Venedig und zurück vor allem Urlauber transportierte. Die Unterschrift des „Designatore“ ist bereits auf die Scheine mitkopiert, die Unterschrift des „Commissario“ wurde mit unterschiedlichen Abkürzungen und Stiftfarben handschriftlich angebracht. Da die Scheine auf sehr schlechtes Papier gedruckt worden waren, wurden sie sehr schnell im Verkehr verschlissen, und vermutlich erlebten nur wenige Stücke das Ende des Umlaufs im Herbst 1977.

 

Es wäre interessant zu erfahren, ob unter den mehr als 1000 Ausgabestellen von Behelfszahlungsmitteln dieser Jahre in Italien noch mehr Scheine von Schiffen zu finden sind. Aus späteren Jahren sind italienische Bordzahlungsmittel bekannt. Ich bin für jede Information und jedes Angebot sehr dankbar.