Papiergeld.info

von Kai Lindman

 

Die Not mit dem Geld während des Ersten Weltkrieges und der Jahre danach produzierte vor allem Verlierer, aber es gab auch Menschen und Firmen, für die das goldene Jahre waren, zumindest anfangs aber Zeiten, in denen es sich halbwegs sorgenfrei leben ließ. Das galt vor allem für Schwarzmarkthändler, Grafiker, Papierhersteller und Druckereien. Allerdings gab es auch bei diesen Berufen genügend Wettbewerb und man musste am Ball bleiben, um sein Auskommen mit dem Einkommen zu haben.

 

Für viele Druckereien bedeutete das, dass sie potentielle Kunden anschreiben und diese auf ihre Arbeit hinweisen mussten. Wie ließ sich das Arbeitsergebnis am besten darstellen? Nun, man legte dem Bewerbungsschreiben einen oder mehrere Notgeldmusterscheine bei. Einige Druckereien wollten es besonders gut machen und stellten spezielle Fantasiescheine her. Das hat zum Beispiel die Leipziger Druckerei C. A. Brockhaus relativ erfolgreich, aber auch sehr aufwändig gemacht, die es nicht dabei beließ, einen Musterschein herzustellen, sondern die gleich drei Wertstufen in drei verschiedenen Farbkombinationen, insgesamt also neun verschiedene Musterscheine druckte.

 

 Design Abb1 50 Design Abb1 25   Design Abb1 10

Abbildung 1 Fantasie-Musterscheine der Leipziger Druckerei C. A. Brockhaus. Einen Ort Neukirchhof hat es nie gegeben, es existiert aber eine Straße dieses Namens in Leipzig,

 

Design Abb2

Abbildung 2 Notgeldschein der schleswig-holsteinischen Stadt Hadersleben, heute Dänemark.

 

Design Abb3

Abbildung 3 Notgeldschein der hessen-nassauischen Stadt Idstein

 

Meines Wissens gelang es der Firma auf diese Art immerhin, mindestens zwei Aufträge für die oben abgebildeten Ausgaben mit diesem Design zu aquirieren. Leider hat die Druckerei es aber aus mir unerklärlichen Gründen unterlassen, ihren Firmennamen auf den Scheinen anzubringen. Zwar haben sicher alle nötigen Angaben auf dem Begleitschreiben gestanden, aber wenn ein Entscheider einer anderen Gemeinde so einen Schein in die Hand bekam und das Design interessant und nachahmenswert fand, war es schon mit einigen Mühen verbunden, den Hersteller herauszufinden, um sich ein Angebot für eine eigene Ausgabe machen zu lassen.

Vielleicht hätte Brockhaus sonst den Entwurf häufiger verkaufen und damit einen Teil der Werbungskosten wieder einspielen können.

 

Siehe auch:

 

Kai Lindman, Vorlagescheine, PapierGeld

Heft 6-2016, Seite 24

Kai Lindman, Vorlagescheine - Ergänzung, PapierGeld Heft 8-2016, Seite 5

Kai Lindman, Essays, Druckproben und Musterscheine, PapierGeld Heft 12-2017, Seite 7