Papiergeld.info

von Kai Lindman

 

Der Berliner Blumenhändler Max Hübner gründete 1908 die „Blumenspenden-Vermittlungsvereinigung“, die von Anfang an erfolgreich arbeitete und 1927 zu der international operierenden „Fleurop-Interflora“ umgeformt wurde. Bereits 1910 gründete sich in Nordamerika eine Konkurrenzfirma, die ebenfalls schnell Fuß fasste und sich in ganz Amerika verbreitete. Die Idee, Blumen in einem Laden zu bezahlen und in einem anderen Laden ausliefern zu lassen, begegnete offenbar einem großen Bedürfnis, denn die Mitgliederzahlen der Vereinigungen wuchsen rasant und schon vor dem Zweiten Weltkrieg wurden alleine von der „Fleurop“ Aufträge im Wert von mehreren Millionen Mark abgewickelt.

 

Wie funktionierte nun das System, das auch heute noch weltweit von mehreren konkurrierenden Gesellschaften sehr erfolgreich betrieben wird? Ein Blumenhändler, der an diesem System teilnehmen wollte, musste zuerst Mitglied der „Fleurop“ werden. Dann bekam er ein Heft mit vorgefertigten Schecks, in die das Ausgabedatum und der Name des ausgebenden Händlers eingetragen werden mussten. Der Händler gab dem Kunden den Scheck, kassierte die vereinbarte Summe und mel-dete der Zentrale den Vorgang. In bestimmten Zeiträumen wurde dann mit ihm abgerechnet und er musste die eingenommenen Beträge an die Zentrale überweisen. Der Käufer schickte den bezahlten Scheck an den gewünschten Empfänger. Dieser ging mit dem Scheck in ein Blumengeschäft, das ebenfalls der „Fleurop“ angehörte, ließ sich einen Blumenstrauß nach eigner Wahl im eingetragenen Wert aushändigen und bestätigte den Empfang durch seine Unterschrift. Der Händler stempelte den Scheck mit seinem Firmenstempel und schickte ihn an die Zentrale, von der er den Betrag für den Scheck gutgeschrieben und viertel-, halb- oder ganzjährig ausgezahlt bekam.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zum Zusammenschluss mehrerer internationaler Konkurrenten und zur Einführung einer internationalen Kunstwährung, dem „Fleurin“, der an den Schweizer Franken gekoppelt war. Im innerdeutschen Verkehr wurden aber weiterhin DM-Schecks verwendet. Auch in der DDR gab es „Fleurop“-Mitglieder. Allerdings mussten DDR-Geschäfte zusätzlich zu den abgerechneten Schecks von den Kunden noch eine spezielle Empfangsbestätigung un-terschreiben lassen, damit die regelgerechte Abgabe der Sträuße kontrolliert werden konnte. Bei der Einführung des Euros wur-den 2002 auch alle Schecks und Gutscheine auf die neue Währung umgestellt. Mit der Verbreitung des Internets fanden sich zunehmend Wettbewerber, die sich im Markt des Blumenversandes tummeln und ihre Blumen nicht mehr über Partnergeschäfte ausliefern, sondern sie von Zentrallagern aus durch Kurierdienste verschicken. Allerdings haben mehrere Vergleichstests ergeben, dass Frische, Qualität und Lebensdauer der Ware der „Fleurop“-Mitglieder der der Mitbewerber weit überlegen sind. Beim letzten Test 2016 wurden die folgenden Wettbewerber getestet:

 

Vorkriegsscheck und ältere DM-Ausgaben der „Fleurop“ und ihrer Mitbewerber sind relativ schwierig zu erwerben. Bei Angeboten handelt es sich fast immer um nicht eingelöste Schecks; abgerechnete Schecks gehen ja an die Zentralen und werden dort wohl restlos vernichtet. In der folgenden Aufstellung habe ich alle Belege erfasst, die mir bekannt geworden sind. Vermutlich haben einige Sammler noch einzelne Stücke in ihrem Bestand. Ich bin für Meldungen - und Angebote - immer dankbar.

 

 

1 VS 1 RS

1 Bundesrepublik Deutschland Blume 2000, Gutschein

ohne Datum, ohne Gültigkeitsdauer, ohne Wz; 5 Euro; 7 5

 

2 VS 2 RS

2 Bundesrepublik Deutschland Fleurop Interflora, Flora Cheque

196., 1 Monat gültig, ohne Wz; 5 7.50 Fleurin; je 15 10

 

3 VS 3 RS

3 Bundesrepublik Deutschland Fleurop Interflora, Flora-Cheque

ohne Datum, 3 Monate gültig, ohne Wz, Serie D; 10 DM; 15 10

 

4 VS 4 RS

4 Bundesrepublik Deutschland Fleurop, Flora-Cheque

ohne Datum, 3 Monate gültig, ohne Wz, Vorderseite nur deutscher Text; 10 20 30 DM; je 12 8

 

5 VS 5 RS

5 Bundesrepublik Deutschland Fleurop, Flora-Cheque

ohne Datum, 3 Monate gültig, ohne Wz, Vorderseite dreisprachiger Text; 10 DM; 12 8

 

6

6 Bundesrepublik Deutschland Teleflor, Gutschein

ohne Datum, Karton, einseitig; 10 20 DM; je 12 8

7 DDR Fleurop Flora-Scheck

a. 19.., 3 Monate gültig, Wz Dreieckrad, ohne DV; 5 M; 20 12

                          Wz?, ohne DV; 7.50 M; 20 12

7 VS 7 RS

                          Wz kleine Giesecke-Stimmgabeln; 10 M; 20 12

b. 19.., ohne Datum, 3 Monate gültig, Wz?, DV Ag 309 S 1106 83 III 18 185; 20 M; 20 12