Papiergeld.info

von Kai LindmanLeinert   Cover

 

Es gibt sie in Deutschland häufiger als in anderen Staaten: Regionalwährungen. Informationen über rund 170 Initiativen hat Sebastian Leinert in mühevoller Arbeit zusammengetragen, wobei er auch die verzeichnet hat, die ihre Arbeit schon wieder eingestellt oder noch gar nicht begonnen haben. Als Startzeit für seine Untersuchung hat sich Leinert das Jahr 2002 ausgesucht, den Beginn der Eurozeit in Europa. Damit sind ältere Regionalgeldausgaben wie das auf Mark und Pfennig lautende „Bethelgeld“, die „Knochen“ vom Prenzlauer Berg, die Kölner „Welkenden Blüten“ oder das Berliner „Hedwigsgeld“ nicht enthalten.

 

Wer dennoch einen Katalog der Regionalwährungen ab 2002 erwartet, wird enttäuscht. Das Buch ist nämlich überhaupt nicht für Sammler geschreiben worden, sondern es soll „der Versuch unternommen [werden], die bunte Szene Regionaler Komplementärwährungen zu beschreiben und zu bewerten. Auch werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie sich Stabilität und Effizienz dieser Systeme verbessern lassen.“

 

Getreu dieser Aussage werden die diversen Formen von Regionalwährungen ausführlich vorgestellt und in Klassen mit gemeinsamen Merkmalen eingeteilt. Dann werden die einzelnen Initiativen ausführlich beschrieben, wobei auch reine Verrechnungssysteme und Gelder des Auslandes berücksichtigt werden. Ungewöhnlich sind dabei mindestens zwei Dinge: Die Auseinandersetzung mit dem Thema macht nur 117 von insgesamt 262 Seiten aus. Mehr als die Hälfte des Buches - nämlich 145 Seiten - werden durch diverse „Anlagen“ gefüllt. Zudem findet sich im Buch nicht eine einzige Abbildung eines Regionalgeldscheines.

 

Dagegen steht in der Einleitung bereits im dritten Satz die unmissverständliche Absicht des Autors in Bezug auf Regionalgelder: „Es erscheint wichtig, dass diesen so positiven Bemühungen in Zukunft aufs Ganze gesehen mehr Erfolg beschieden sein wird als dies bisher der Fall war.“ Und diese Absicht unterstützt er nach Kräften. Negative Aspekte gibt es für ihn bei Komplementärwährungen nicht, und wenn schon nicht die Gegenwart, dann ist für Leinert zumindest die Zukunft derartiger Ausgaben rosarot. Soweit es um das vom Autor gewählte Thema geht, ist es eine gründliche, ausführliche und empfehlenswerte Arbeit, auch wenn zum Beispiel der von uns schon zweimal behandelte Lüneburger Lunar (papiergeld Heft 2-2015 und 4-2015) nicht enthalten ist.

 

Das Einzige, was mir fehlt, ist ein umfassendes Orts- und Stichwortverzeichnis, das die Brauchbarkeit des Buches als Nachschlagewerk wesentlich erhöhen würde. Ansonsten mag man sich an der einseitigen Sicht der Dinge stören, die zusammengetragenen Informationen und die Aufbereitung des Themas sind vorbildlich und suchen zur Zeit in der deutschen themenspezifischen Literaturszene ihresgleichen.

 

 

Sebastian Leinert: Regionale Komplementärwährungen in Deutschland - Stand und Entwicklungsmöglichkeiten, Norderstedt 2016, 262 Seiten DIN A5, ohne Abbildungen, ISBN 978-3-8423-6068-6, 14,90 Euro, eBook 9,99 Euro.