Papiergeld.info

von Kai Lindman

 

Schäfer Ortsnamenverzeichnis SachsenWenn man so wie ich interessiert und engagiert deutsches Notgeld sammelt, möchte man seine Schätze auch an der richtigen Stelle in die Sammlung einordnen. Dazu braucht man dann aber ein absolutes Gedächtnis oder gedruckte Nachschlagewerke (Natürlich nur, wenn man so „old fashioned“ ist wie ich und auch aufgrund schlechter Erfahrungen das Internet kaum benutzt. - Was steht da manchmal nur für ein Blödsinn drin!) wie Lieferverzeichnisse, Telefon- und Adressbücher und - vor allem - Ortsverzeichnisse! So haben sich bei mir im Laufe der Jahre mehr als sechs Regalmeter einschlägige Nachschlagewerke der unterschiedlichsten Aufmachungen und Ordnungskriterien angesammelt. Da gibt es die seltsamsten Formate, Umfänge und demzufolge Gesamtgewichte. Ich bin also einiges gewöhnt und nur selten kommt mir etwas völlig Unorthodoxes in die Hände.

 

Genau das ist mir aber vor einiger Zeit passiert! Der Briefträger, der mich mit Nachrichten und Sendungen aus aller Welt versorgt, ist es schon gewohnt, dass er schwere Pakete in mein Büro schleppen muss. An jenem Tag brachte er schnaufend ein kleines Paket, das für seine Größe erstaunlich gewichtig war. Neugierig öffnete ich die Verpackung und war über den Inhalt ziemlich erstaunt. Da hatte mir nicht etwa ein böser Bube einen Ziegelstein geschickt oder ein netter Mensch zwei Kilobarren Gold. Nein, in dem Paket befand sich ein hübsch gebundenes, 4,8 cm dickes und 2255 Gramm schweres Ortsverzeichnis des Freistaates Sachsen.

 

Neugierig machte ich mich über das Werk her, blätterte interessiert und verstand anfangs eigentlich gar nichts. Mir blieb also nichts anderes übrig, als Vorwort, Benutzungshinweise und das Inhaltsverzeichnis zu studieren. Schon die zweite Zeile dieses Verzeichnisses bot mir einen Eintrag, den ich noch nie zuvor in einem einschlägigen Buch gesehen hatte: Da gab es eine Entstehungsgeschichte, verbunden mit Benutzungshinweisen.

Ich las und staunte. Da wird zwischen den Zeilen vom Leiden und der Arbeit der Autoren berichtet und dem Leser genau erklärt, wie das Mammutwerk am besten zu benutzen ist. Auch wenn Sie, liebe Leser, normalerweise die Vorworte und den sonstigen Einleitungstext nicht lesen, diesmal sollten Sie sich die Zeit nehmen! Nur dann können Sie angemessen die Arbeit würdigen, die in diesen 784 Seiten steckt. Und würdigen sollten Sie sie, es gibt nichts Vergleichbares!

Was immer Sie an Verwaltungstechnischem über sächsische Orte wissen wollen, hier finden Sie es! Insgesamt sechs umfangreiche und ausführliche Abschnitte listen nicht nur Gemeinden, sondern insgesamt 17 verschiedene Arten von Wohn- und Arbeitsstätten auf. Um Ihnen eine Vorstellung vom Umfang und der Akribie der Erfassung zu geben, habe ich das Inhaltsverzeichnis hier abgebildet.

 

Schäfer Ortsnamenverzeichnis Sachsen IV

Trotz aller Begeisterung habe ich eine kleine Kritik. Für Nicht-Sachsen, die allerdings wohl zu den selteneren Benutzern dieses Werkes gehören, wäre es natürlich schön gewesen, hätte man am Beginn eines jeden Abschnittes eine Landkarte gefunden, die Sachsen nach den jeweiligen Ordnungskriterien des Abschnittes dargestellt hätte.

Aber man kann nicht alles haben, und dieses Buch bietet schon viel mehr als jedes andere Verzeichnis dieser Kategorie. Wer also Sachsen sammelt und Informationen über die Orte braucht, kommt an diesem Informationsschwer- und Preisleichtgewicht nicht vorbei!

 

Wieland Schäfer, Ortsnamenverzeichnis von Sachsen für Sammler und Heimatforscher, bearbeitet von Peter Helfricht, 784 Seiten, gebunden, DIN A4, Görlitz 2018, ISBN 978-3-944560-46-5 45 Euro