Papiergeld.info

von Kai Lindman

 

Gaitzsch HarzDer Tauchaer Sammler und Autor Hans-Volkmar Gaitzsch hat sich wieder einmal mit Notgeld beschäftigt und ein Buch darüber geschrieben. In seinem neuesten Werk geht es um Harzer Serienscheine, vor allem solche von Orten, in denen die Harzer Volksbank eG Filialen unterhält. Ein zweiter Schwerpunkt des Buches ist die Geschichte des Harzburger Rennvereins e.V. von 1880 und der Notgeldscheine mit Motiven von den Rennen. Das Buch ist als Begleitschrift zu einer gleichnamigen Ausstellung der Scheine in einer Filiale der Bank erschienen.

 

Das Buch ist in vier Kapitel gegliedert, von denen sich das zweite bis vierte mit den Harzer Notgeldscheinen befasst. Die Scheine werden in farbigen Abbildungen jeweils mit Vorder- und Rückseite vorgestellt. Dazu kommen Texte, in denen historische Begebenheiten erzählt oder regionale Besonderheiten ausführlich beschrieben werden. Dabei holt der Autor zum Teil weit aus und bei seinen informativen und humorvollen Blicken über den Tellerrand sieht er zum Beispiel auch „Brocken-Benno“ Schmidt bei seiner täglichen Brockenbesteigung, von denen der Wernigeroder inzwischen über 8.600 geschafft hat. In bunter Reihenfolge lässt Gaitzsch an den jeweils passsenden Stellen auch andere illustre Besucher des Harzes samt den dazugehörigen Histörchen erscheinen, wie Goethe, Heinrich Heine, Kaiser Otto II., Till Eulenspiegel, Gretchen und Mephistopheles. Das ist alles gefällig gemacht und wartet auch für Spezialisten mit vielen interessanten Informationen auf.

 

Weniger zufrieden bin ich mit dem ersten Teil des Buches, in dem der Autor zu erklären sucht, was Notgeld ist, wie es zur Ausgabe kam und wo es das gegeben hat. Da sind dem Autor dann leider doch einige Fehler unterlaufen, die der Kenner einfach übersehen sollte, wenn er sich nicht gleich den ersten Abschnitt komplett schenkt. Es ist aber schon ein wenig ärgerlich, dass bereits der Titel des Buches ungenau ist, denn die gezeigten Harzer Notgeldscheine gehören bis auf eine Ausnahme (Ilsenburg, der abgebildete Schein ist Bedarfsnotgeld.) zu den Serienscheinen, die von Ende 1920 bis Ende 1922 ausgegeben wurden.

 

Völlig daneben liegt Gaitzsch dann bei den Angaben zum Hadersfelder Sperrholzgeld. Nicht nur, dass die Serien immer aus drei Ex-emplaren bestehen - den 50-Heller-Wert hat er einfach weggelassen -, so gibt es insgesamt 15 verschiedene Serien, alle mit dem Ausgabedatum 1.6.1920. Völlig unverständlich ist mir die Abbildung eines total zerstörten 100-Mark-Scheines aus Aluminiumfolie des Lautawerks. Diese Scheine sind nicht sehr selten und es hätte keine Mühe bereitet, ein gut erhaltenes Stück zu zeigen. Auch der Versuch, Notgeld nach verschiedenen Kriterien zu ordnen, wirkt sehr konstruiert und unvollständig und ist weit entfernt von der Sammelrealität.

 

Trotz der Beanstandungen im ersten Teil ist das Buch ein gelungenes Werk zur Ausstellungsbegleitung, das kurzweiligen Lesespaß bietet. Heimatinteressierte sollten - zumal bei dem günstigen Preis - unbedingt zugreifen, aber auch erfahrene Sammler finden noch so manche regionale Information.

 

Hans-Volkmar Gaitzsch, Der Harz im Spiegel des Notgeldes von 1917 bis 1923, 94 Seiten, über 200 farbige Abbildungen, 21x24 cm, Leipzig 2019, ISBN 978-3-938533-79-9, 16,90 Euro