Papiergeld.info

von Ulf Lehmann

 

Ringleb RiesaRiesa - eine Stadt im Norden Sachsens mit heute gut 30.000 Einwohnern. Im August fand hier der „Tag der Sachsen“ statt, der die Stadt wieder einmal nachhaltig ins Bewusstsein der Sachsen und der Bewohner der umliegenden Bundesländer gebracht hat. Frank Ringleb dagegen ist es zu verdanken, dass die Stadt an der Elbe nun auch in der Notgeldforschung kein Niemandsland mehr ist. Ringleb, ein Altmeister der Numismatik, war in der DDR jahrzehntelang Fachgruppenleiter, Mitglied verschiedener Gremien des Kulturbundes und vor allem engagierter Forscher. In den vergangenen Jahren schrieb er Bücher zu deutschen Porzellanmünzen und Artikel zur Regionalgeschichte seiner Heimatstadt Riesa. Nun stellt er einen Katalog über die Notgeldscheine von Riesa und der bis heute eingemeindeten Orte vor.

 

Um es vorweg zu nehmen: Auf 154 Seiten bildet er die nachweisbaren Scheine von etwa 70 Ausgabestellen komplett in Farbe ab und beschreibt sie. Es beginnt mit bisher nicht katalogisierten Verkehrsausgaben aus (Neu)Weida (1914?) und Gröba, geht weiter über gängige städtische Kleingeldscheine und bis hin - typisch für eine sächsische Industriestadt - zu einer Flut von Inflationsausgaben der Stadt, der Banken und ortsansässiger Firmen mit einer Vielzahl neu dokumentierter Varianten. Als ich vor einem Jahr meine Ergebnisse zur Brandenburgisch-Sächsischen Nachbarregion veröffentlichte, war dies unter anderem nur durch die uneigennützige Zuarbeit von Frank Ringleb möglich. Dafür bin ich ihm dankbar und ich hoffe, dass er meine Anmerkungen und meine leisen Kritiken wohlwollend auffasst.

 

Fast jeder Katalogschreiber entwickelt sein eigenes Ordnungssystem. Bei Ringleb ist das die zeitliche Abfolge der Notgeldausgaben. Bei einer kleineren Stadt sollte diese Strukturierung eigentlich funktionieren, doch die Fülle der Ausgaben erschwert hier - nicht nur für den überregionalen Sammler - die Übersicht. So erscheinen beispielsweise die Scheine der Firma Hammersen AG an vier und die Belege der verschiedenen Konsumgenossenschaften und der Lauchhammer AG/Linke-Hofmann-Lauchhhammer AG an drei verschiedenen Stellen. Die Ausgaben der Firmen Kämper, Schneider und einiger anderer finden sich an zwei Stellen im Buch. Wer hier ins Trudeln gerät, bedient sich am besten der Notbremse, des Inhaltsverzeichnisses. Doch Ausgaben der Firmen Hammersen, Kämper und Schneider erscheinen dort mitunter nur „versteckt“ unter „Scheckformulare“ und „Postkartenschecks“. Hier wären Querverweise wünschenswert.

 

Besonders fällt das bei den Konsum-Inflationsausgaben auf den Seiten 90/91 auf. Hier steht bei den seinerzeit lediglich per Zeitungsannonce angekündigten (und heute nicht nachweisbaren) Scheinen ein „n.k.“ = nicht katalogisiert. Eventuell ist hier aber in Betracht zu ziehen, dass diese Scheine mit denen der ADCA-Ausgabe auf den Seiten 75/76 identisch sind. Hier sollte der „Riesa-Spezi“ Ringleb dringend mit dem „Konsum-Spezialisten“ Lindman telefonieren! Dann könnten beide auch gleich über die bisher anscheinend nicht katalogisierten Musterscheine der städtischen Verkehrsausgaben (Seite 33 bis 37) reden. Hier bot der Tieste-Katalog eine erste Katalogisierung und Ringleb bringt den bildlichen Nachweis samt Ergänzungen - im Übrigen mit traumhaft schönen Entwertungen.

 

Ob ein Regionalkatalog unbedingt eigene Katalognummern haben muss, ist Sache des Autors. Entscheidend ist aber die Übersichtlichkeit für den Nutzer und Leser. Deshalb hätten Querverweise dem Katalog gut getan. Die Beschreibung einzelner Ausgaben ist einerseits, bei guter Quellenlage, sehr umfangreich, wurde aber andererseits nicht konsequent durchgeführt. Dem Leser wird so kein rundes Gesamtkunstwerk vorgelegt, sondern ein Puzzle aus verschiedenen Forschungen.

 

Dennoch handelt es sich alles in Allem nur um kleine Schönheitsfehler. Meine Anmerkungen schmälern in keiner Weise den Wert der vorliegenden Veröffentlichung. Der Katalogteil besticht mit einer nie zuvor gesehenen Menge an Seltenheiten, die der Autor in jahrzehntelanger Recherche zusammengetragen hat. Jeder nachweisbare Schein ist abgebildet (!) und mit einer Standortangabe versehen. Die 25-seitige Einführung gibt einen lebendigen Einblick in den Lebensalltag der Riesaer Altvorderen und die abschließenden Kurzportraits der Ausgabestellen sind weit mehr als ein „Verzeichnis der Emittenten“. Es ist vielmehr das Portrait einer sächsischen Industriestadt. So wird das Buch auch für den „Nicht-Sachsen-Sammler“ Freude und neue Erkenntnisse bringen.

 

Frank Ringleb hat vorgelegt - nun mögen andere ergänzen, konkretisieren oder gar erweitern, denn die Veröfffentlichung eines Kataloges für den gesamten Freistaat Sachsen steht noch aus und wäre wünschenswert. Der Umfang des Buches über Riesa lässt deutlich erkennen warum.

 

Frank Ringleb: Riesaer NOTGELD-KATALOG - Ein numismatisches Geschichtsbuch vom Beginn des Ersten Weltkrieges bis zum Ende der Inflation (1914 -1923), Riesa 2019, Festeinband DIN A4, 154 Seiten, komplett farbig, 30,00 €, zu bestellen per E-Mail beim Autor: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!