Papiergeld.info

von Kai Lindman

Tieste Gefangenenlager 

Dieser Katalog, die zweite Auflage erschien 2007, ist trotz seines Alters ein unverzichtbares Hilfsmittel für alle Sammler, die sich mit den Zahlungsmitteln der deutschen Kriegsgefangenenlager des 1. Weltkrieges beschäftigen, denn es gibt keinen aktuelleren und umfassenderen Katalog.

 

Natürlich sind seit seinem Erscheinen etliche neue Informationen bekannt geworden, aber gemessen an dem, was der Katalog bereits enthält, ist es sehr wenig. Trotz des allgemeinen Preisverfalls vor allem der Mittel- und Massenware des deutschen Notgeldes ist das Preisniveau der Gefangenenlagerscheine erstaunlich stabil, häufig wird sogar mehr als im Katalog angegeben bezahlt. Das liegt sicher daran, dass es nur wenige Massenausgaben gibt, und zum anderen ist das Angebot relativ gering - beziehungsweise für die meisten besseren Schein gar nicht vorhanden. Selbst in großen Sammlungen fehlen erstaunlich viele Einzelwerte, häufig sogar ganze Ausgaben. Deshalb wissen die Sammler dieses Gebietes auch zu schätzen, dass für die meisten Ausgaben gute farbige Abbildungen vorliegen, die die Identifizierung unbekannter Scheine sehr erleichtern.

 

Natürlich gibt es fast bei jedem Katalog gewisse Wünsche, die zu erfüllen aber häufig nicht ganz einfach ist. Bei Tiestes KGL-Katalog wünscht man sich, dass die überwiegende Zahl der bekannten Varianten nicht nur pauschal aufgeführt, sondern auch detailliert den jeweiligen Nominalen zugeordnet wären. Aber vermutlich sammelt kaum jemand das Gebiet derart intensiv und sicherlich würde eine derartige Zusammenstellung den Umfang des Katalogs wesentlich erweitern, was nicht unbedingt im Sinne der meisten Benutzer sein dürfte.

 

Eines allerdings hätte sich mit wenig Aufwand durchführen lassen und würde die Arbeit mit dem Katalog wesentlich erleichtern: Die Nummerierung der Ausgaben.

Im Katalog sind nämlich die Ausgaben nicht mit Nummern versehen, es gibt nur eine ausgabeninterne Nummerierung. Das macht die genaue Zitierung eines Scheines reichlich umständlich, muss man doch immer erst den Ausgabeort, häufig auch noch die Ausgabestelle, angeben. Erst dann kann man eine Nummer nennen.

 

Anders als im vorhergegangenen Katalog von Arnold Keller für die KGL-Ausgaben, hat Tieste alle Ausgaben alphabetisch nach dem Ausgabeort sortiert, während Keller nicht nur nach militärischen und Industrielagern, unterschieden, sondern auch die Scheckmarken in einem Extrakapitel aufgelistet hat. Vor allem in diesem Bereich, der zu mehr als 90 Prozent Scheckmarken des X. Armeekorps aus Niedersachsen enthält, hat es seit dem Erscheinen des Katalogs viele neue Erkenntnisse gegeben. Gerade diese Scheckmarken werden aber auch nur höchst selten angeboten.

 

Reinhard Tieste, Katalog des Papiergeldes der Gefangenenlager im 1. Weltkrieg - KGL, Bremen 2007, 181 Seiten DIN A4, gebunden, mehrere hundert farbige Abbildungen, ISBN 978-3-9811185-1-3, 32,50 Euro, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!