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von Kai Lindman

Notgeld Fulda 

Vor 30 Jahren fiel mir ein kleines, dünnes, fotokopiertes Heftchen im DIN-A6-Format in die Hände, das sich zwar gut in die Tasche stecken ließ, dessen Bildqualität aber derart mies war, dass man kaum etwas erkennen konnte. Als ich das Heft in meine Bibliothek einsortieren wollte, stellte ich fest, dass ich bereits ein Exemplar besaß, jedoch im DIN-A4-Format. Allerdings war die Kopie ähnlich schlecht wie bei der Miniausgabe und der Verkaufspreis von 12 DM für 29 Seiten erschien mir auch wenig angemessen. Gut, dass ich für mein Exemplar nur 4 DM bezahlt hatte.

 

Allerdings war da eine mir völlig unbekannte Ausgabe wertbeständigen Notgeldes erwähnt, von der ich gerne gute Abbildungen gehabt hätte. Ich setzte mich mit Rainer Erdmann, dem Autor der Arbeit, in Verbindung und erhielt sofort, was ich gewünscht hatte. Der Mann war ausgesprochen nett und hilfsbereit; schade, dass seine Arbeit technisch so unbefriedigend war.

Danach hörte ich nichts mehr aus Fulda und meine Enttäuschung war längst vergangen und vergessen.

 

Daher war ich sehr erstaunt, als mir der Briefträger vor einigen Wochen eine Neuauflage des Heftchens brachte. Na ja, Heftchen?! Das Ding hat jetzt 149 Seiten im DIN-A5-Format, durchgängig in Farbe und angereichert mit zahlreichen Informationen zu den jeweiligen Ausgaben. Zudem enthält das „Buch“ etliche neue Ausgaben, vor allem im Bereich Marken und Zeichen, der uns als Papiergeldsammler zwar nicht so sehr interessiert, der aber erst in der Gesamtheit aller Ausgaben ein höchst interessantes und umfassendes Bild der Fuldaer Zahlungsmittel zeichnet. Ein kleiner Nachteil ist die geringe Größe der Schein-Abbildungen, da wünscht man sich doch mindestens doppelte Größe.

 

Besonders spannend ist der Blick über den engen Bereich Fuldas hinaus. Da erfährt man ausführlich etwas über die Rationalisierungsbelege und Lebensmittelkarten aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Da lernt man Hundesteuermarken und Einkaufswagen-Chips kennen. Da findet man Werbe- und Fastnachtsscheine, Briefmarkengeld und Fahrmarken, und auch das Notgeld einiger Nachbargemeinden wird vorgestellt und kommentiert.

Alles in allem ein breitgefächerter Überblick über Behelfszahlungsmittel des Fuldaer Gebietes, spannend und lehrreich und auch für Sammler aus anderen Regionen durchaus empfehlenswert.

 

Rainer Erdmann, Das Notgeld von Fulda, 1917 - 1923 aus Metall und Papier, Weyhers 2018, DIN A5, 149 Seiten, durchgehend farbige Abbildungen, zu beziehen über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

39.75 Euro, portofrei.