Papiergeld.info

von Kai Lindman

 

kölbl traunsteinWieder einmal bin ich nur durch Zufall auf einen interesssanten Aufsatz über bayerisches Notgeld gestoßen. Im Jahrbuch für das Jahr 2003 des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein findet sich ein Aufsatz über Traunsteiner Notgeld.

 

Vermutlich kennen die Sammler aus Traunstein und Umgebung dieses Werk schon lange, aber für alle anderen Sammler, die sich mit bayerischem Notgeld allgemein beschäftigen, ist es nicht so einfach, bei der entsprechenden Literatur auf dem Laufenden zu bleiben. Die Arbeit „Das Traunsteiner Notgeld in der Hochinflation 1917 - 1923“ des mir unbekannten Helmut Kölbl (Im Autorenverzeichnis findet man neben einer Traunsteiner Adresse nur den lakonischen Hinweis „Heimatforscher“ und das Internet hilft da auch nicht weiter.) füllt immerhin 59 DIN-A5-Seiten, und damit mehr als ein Fünftel des 264 Seiten starken Buches.

 

Allerdings scheint der Autor kein Notgeldsammler zu sein, denn der angeschlossene, 21 Seiten starke Katalogteil ist doch sehr ungewöhnlich und wenig sammlerfreundlich aufgebaut. Da findet man Informationen, die eigentlich entbehrlich wären, während Angaben über Varianten kaum zu finden sind. Die Verweise auf den Bayern-Katalog von Albert Pick sind da auch keine Hilfe, denn dieser Katalog verzichtet ebenfalls weitgehend auf die Angaben von Varianten. Schon beim Titel der Arbeit zeigt es sich, dass der Autor im Gebrauch der bei Papiergeldsammlern im Allgemeinen verwendeten Fachtermini ungeübt ist, denn als „Hochinflation“ wird normalerweise der Zeitraum von Juli bis Ende November 1923 bezeichnet, aber nicht die Jahre 1917 bis 1922. Schade ist auch, dass alle Abbildungen stark verkleinert und einfarbig sind, denn es sind doch eine Reihe interessanter und seltener Abbildungen zusammengekommen, auch wenn informierte Sammler in den seit dem Erscheinen dieser Arbeit vergangenen Jahren die eine oder andere bis dahin unbekannte Ausgabe nachweisen können. Das mindert aber den Wert der Arbeit nur geringfügig, zumal sich dadurch ja nichts an den Grundlagen und allgemeinen Informationen ändert.

 

Trotz all dieser Kritikpunkte kann ich das Buch zumindest Heimatinteressierten und den Sammlern empfehlen, die den Vorteil einer gut bestückten Fachbibliothek begriffen haben, denn der Autor hat eifrig Akten- und Quellenstudien zur Vorbereitung, Durchführung, Einziehung und Abrechnung der Notgeldausgaben betrieben, dabei auch nicht den Blick über den Tellerrand vergessen, und seine Ergebnisse in der Einführung ausgiebig und interessant dargelegt.

 

 

Helmut Kölbl - Das Traunsteiner Notgeld in der Hochinflation 1917 - 1923, Seiten 42 - 100 in: Historischer Verein für den Chiemgau zu Traunstein e. V., Jahrbuch 2003, DIN A5, 264 Seiten, viele einfarbige Abbildungen, 8 Euro plus Porto und Verpackung